31246 Gadenstedt

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Die alte Stellmacherei in Gadenstedt

Kunst, Musik und Literatur an loderndem Kaminfeuer

Die Zeiten, als riesige Ackerwagen über den Hof polterten, Sägespäne durch die Luft der Werkstatt wirbelten und der Geruch von Holzarbeiten in die Nase stieg, sind am Kattenhagen 1 in Gadenstedt längst vorbei: In der „Alten Stellmacherei“ des einstigen Meisters Hermann Thies junior prägen heute Kunst, Musik und Literatur das Geschehen. Angefangen bei Jazz und Blues über Rock und Pop reicht das Musik-Programm hier mit Künstlern aus ganz Deutschland bis zum Klassikkonzert. Hinzu kommen verschiedene Vorträge, Lesungen und Kurse, die den Besuchern eine abwechslungsreich und modern gestaltete Kulturpalette bieten.

Alte Stellmacherei Gadenstedt

Aufgabengebiet der Stellmacher

Eines erwartet Reuting bei ihren Veranstaltungen jedoch immer wieder: Die Frage nach dem Aufgabengebiet eines Stellmachers. „Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich die Geschichte schon erzählt habe“, sagt sie lachend, bevor sie kurz an der Teetasse nippt und den Blick auf das Foto eines mit Heu beladenen Ackerwagens richtet. Der Beruf ist aus dem Handwerk der Rademacher und dem der Wagner entstanden. So hatten sich die Rademacher bis zum frühen 19. Jahrhundert auf die Herstellung von Wagenrädern spezialisiert, während die sogenannten Wagner die entsprechenden Wagengestelle fertigten. Im Laufe der Jahre verzahnten sich beide Funktionen so sehr, dass sich daraus die Stellmachereien entwickelten.

Ihr Vater stellte den Betrieb, den er von seinem Vater übernommen hatte, mit Abschaffung der Holzackerwagen und überdimensionaler Räder zu Beginn der sechziger Jahre auf die Tischlerei um. Nicht weniger groß waren dann Freude und Präzision bei den Holzarbeiten, „richtig begeistert war er aber, wenn doch noch einmal ein altes Holzrad gefertigt oder repariert werden musste“, erinnert sich Reuting.

 

Ein Traum ging in Erfüllung

Mit der Eröffnung ihres kleinen Kulturbetriebs, der rund 60 Besuchern Platz bietet, hat sich die 48-Jährige1998 einen kleinen Traum erfüllt: Mit großer Begeisterung hatte die hauptberuflich Angestellte einer Arztpraxis bis dahin stets Konzerte verschiedener Musikstilrichtungen besucht, die Kunst- und Literaturszene verfolgt und einen guten Freund an ihrer Seite, der sich als Bluesmusiker für das Ambiente und die Akkustik in dem ehemaligen Handwerksbetrieb begeisterte. Der Wunsch nach einem eigenen Veranstaltungsort für verschiedene Künstler nahm mehr und mehr konkrete Form an. Das Gebäude hatte nach dem Tod ihres Vaters drei Jahre lang verwaist auf dem Grundstück gestanden, bevor eine Architektin schließlich mit geringem finanziellen Aufwand geschmackvolle Ausbaulösungen für den späteren „Kunst- und Konzertraum“ entwickelte.

 

Kunst vor der eigenen Haustür

Jetzt ermöglichen kleine Butzenglas-Holzfenster den Ausblick aus dem roten Backsteingemäuer und das freigelegte Fachwerk vermittelt in Kombination mit dem Steinfußboden und dem lodernden Feuer im Kaminofen ein Gefühl von „Zuhause“ in fremder Umgebung. Darüber hinaus schützt ein Vordach die Besucher des Hofcafés im Sommer und verbindet gleichzeitig das kleine Unternehmen mit dem Wohnhaus, denn: Für Reuting selbst ist es das Zuhause, denn nur wenige Schritte trennen ihre eigenen vier Wände von der Alten Stellmacherei.

So schreiten auch ihre beiden Kinder zur Tat, wenn Getränke, Gläser und kleine Snacks an den Veranstaltungsort gebracht werden müssen, das Telefon für die Kartenreservierung klingelt oder Künstler ihr Repertoire präsentieren und mögliche Auftrittsdaten erfragen. Hinzu kommen für die Mutter und Geschäftsfrau Besuche externer Veranstaltungen, um neue Talente für ein abwechslungsreiches Veranstaltungsprogramm zu suchen und live zu erleben, die Sichtung von Demobändern sowie Kostenkalkulation und Programmerstellung. Ein umfassendes Aufgabengebiet, doch den Spaß an dem kulturellen Kleinbetrieb habe sie nie verloren. Noch heute mache sich vor jeder Veranstaltung ein leises Kribbeln breit, wenn die ersten Gäste die Plätze besetzten und erwartungsvoll in die Runde blickten. „Schließlich ist es mein größter Wunsch, dass sie einen schönen Abend erleben und sich in dieser Umgebung wohl fühlen.“

Quelle: Peiner Wirtschaftsspiegel 03/2004

 

Anfahrt-Karte

Die Website mit aktuellem Veranstaltungsprogramm
finden Sie unter: www.altestellmacherei.de

 

 

 

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